Rezension: Die Runde der Raben von Bernd Desinger

Fulminantes Ende der Trilogie. Der dritte Band ist voller Zaubertränke, (Zeit-)Reisen und Rabenvögel. Wer sich gerne auf Märchenhaftes einlässt, genießt einzigartigen Lesegenuss. – Rezension des Abschlussbandes der Trilogie um Artur und seine Freunde.

In Band 1 „Arthurs Entführung“ zogen seine Freunde, Lance, Falk, Jannifer und Eric einst aus, ihn zu befreien. In Band 2, „Der Sturz in den Strom“, erwarteten sie Aufgaben und Schicksale, die sie fast zum Aufgeben zwangen. Manch einer der Vier vergaß, warum sie ausgezogen waren. Können sie im finalen Band, „Die Runde der Raben“, ihren Freund Artur finden? Die abenteuerliche Erzählung besticht wieder mit vielen fantastischen Elementen.

Die Bände lassen sich auch einzeln lesen, habe ich mir sagen lassen. Ich finde aber, um die Story wirklich genießen zu können, sollte man alle drei Bände nacheinander lesen.

Schöne Variante des Artusromans

Band 3 besticht, wie die ersten beiden Bücher durch spannende, märchenhafte Abenteuer und „Prüfungen“, die die fünf Helden bestehen müssen, außerordentlich präzise Ortsbeschreibungen und einen eigenen, für mich sehr schönen Sprachstil. Auch enthält das Buch wieder unzählige Anspielungen auf die Gattung „Artusroman“, die literaturhistorisch im späten Mittelalter mit aufgeschriebenem „Liad“, wie dem „Rolandslied“, „Erec und Enite“ usw beginnt, über die Romantik, bis hin zu neuzeitlichen Werken, wie „Der rote Ritter“ von Adolf Muschg, „Merlin“ von Tankred Dorst und Filme, wie „Die Ritter der Kokosnuss“ von Monty Python oder „Excalibur“ von John Boorman aber auch weitere, wie „Indiana Jones“, „Star Wars“ usw. erstreckt. In allen steckt halt das „Strickmuster“ Arthusroman.

Phantasie und Reiselust

Dass der Autor, Bernd Desinger Leiter des Filmmuseums in Düsseldorf ist, kann man merken. Auch ist er Literaturwissenschaftler und viel in der Weltgeschichte unterwegs, was sich ebenfalls in seinen Büchern niederschlägt. Die Helden reisen viel und oft und wissen sehr genau über ihren jeweiligen Aufenthaltsort zu erzählen. Stellenweise lesen sich die Bücher der Trilogie um Arthur daher auch wie Insidertipps von Reisenden.

Zu Band 3 „Die Runde der Raben“: Ich persönlich habe die Lektüre wieder einmal genossen. So viele Anspielungen über Märchenmotive und Arthusromanhaftes „verpackt“ in eine einzigartig spannende Geschichte, verwoben mit einer wundervollen Sprache … Da lacht das Linguistenherz. 🙂 Aber auch Leute, die einfach gute Fantasy mögen, sind mit diesen Büchern bestens beraten, denn auch Band 3 ist voller fantastischer, märchenhafter, zeit- und raumübergreifender Elemente, die jedoch immer im „Alltag“ von realen Orten der jetzigen Zeit in Amerika und Europa ihren Ausgang nehmen.

Treibt der Autor ein Spiel mit uns

Das Buch spielt mit unseren Gewohnheiten: Wie ich schon zu den ersten beiden Bänden sagte, hatte ich beim Lesen arge Zweifel habe, ob man mich nicht mit meinen eigenen Bildern im Kopf (Sehrgewohnheiten) in die Irre führen will – und „voilà“ – ich komme voll auf meine Kosten.

Nachdem die fünf Helden in den ersten beiden Bänden umhergeirrt sind auf der Suche nach Freund Arthus, zwischendurch sogar vergessen haben, wen oder was sie suchen … finden sie in „Die Runde der Raben“ zu sich selbst. Will sagen, dass jede/r nach und nach „seinen Weg“ zum zweiten Mal beschreitet, dies allerdings bewusst und endgültig. Nicht umsonst heißt die Trilogie ja auch „Der Doppelweg“, das ist das klassische Schema des Arthusromans. Der Band ist in der Farbe Grün gehalten, zwei Raben spielen eine besondere Rolle – wie die anderen Tiere in der gesamten Trilogie bekommen sie menschliche Züge. Während Band 1 (rot) viele feuerhafte Elemente besitzt, Band 2 (blau) das Element Wasser zum eigentlichen Protagonisten macht, wirkt Band 3 (grün) auf mich insgesamt „erdend“: Die Helden kommen mit sich ins Reine, die Dinge lösen sich zu ihrer Zufriedenheit … und dann passiert das Unerwartete: Arthus erscheint.

Mehr möchte ich zur Handlung nicht sagen, es soll ja spannend bleiben.

Ich persönlich finde alle drei Bücher lesenswert, habe mich über den Stil und über die vielen versteckten Hinweise gefreut, mein „Kopfkino“ lief die ganze Zeit. Das macht der Autor Bernd Desinger einfach hervorragend! Ein Leckerbissen für Germanisten und Romanisten, ist klar. Aber durchaus auch eine außergewöhnliche Lektüre für Leser, die gerne Fantastisches, das in der realen Welt angesiedelt ist, mögen und/oder, die gerne reisen. Band 3 enthält sogar eine Zeitreise (oder -sprung). Macht es euch gemütlich und lest die Bücher von 1 bis 3 – es lohnt sich!

Bernd Desinger „Die Runde der Raben“ habe ich im Rahmen einer Leserunde gelesen. Hat Spaß gemacht, mit euch zu diskutieren und diese Rezension zu schreiben.

Fazit: Spannung in schöne Sprache gepackt

Auch der dritte Band hat mir ungewöhnliche gutes Lesestunden bereitet. Es ist sehr erfreulich, dass im 21. Jahrhundert ab und zu Bücher wie dieses erscheinen. Bücher, die spannend sind UND mit einer schönen Sprache punkten. Bücher, die man, wie ein erlesenes Essen „gouttieren“, nicht verschlingen kann. Alle drei Bände sind keine Konsumartikel, die morgen wieder vergessen sind, sondern Lektüre, die dem Leser – mir jedenfalls – noch lange im Kopf herum-“spukt“.

Diese Federkunst Rezension wurde von mir auf Lovelybooks, Amazon und auf meiner Facebook-Seite veröffentlicht.

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